In Berlin-Mitte, etwas versteckt zwischen Wohnungen, liegt an einer Straßenecke das „Nomad“.

Bereits beim Betreten des Restaurants fühlt man sich wohl. Schlichtheit ohne Gefahr steril zu wirken, da Pflanzen eine behagliche Atmosphäre herstellen. Helles Holz und angenehme Beleuchtung schaffen einen Raum in dem man sich willkommen fühlt.

Auch der freundliche Empfang trägt dazu bei. Zu Beginn wird einem eine Getränkekarte mit einer Vielzahl ausgefallener Aperitife gereicht, aber auch Klassiker, wie ein fruchtiger Cremant aus der Pfalz können bestellt werden.

Ergattert man einen Sitzplatz am Eingang des Restaurants oder an der Bar, kann man beim Mixen der Getränke zuschauen.

Erst als der Aperitif etwa zur Hälfte ausgetrunken ist, wird die Speisekarte gereicht. Das bringt unglaublich viel Ruhe in den Abend, da man sich im Vergleich zu einigen anderen Berliner Restaurants nicht unter Druck gesetzt fühlt, möglichst schnell zu bestellen und zu essen um bereits wieder neuen wartenden Gästen Platz zu machen. Dabei ist das Restaurant an einem Donnerstag Abend vollkommen ausgebucht.

Es handelt sich im Nomad um ein Sharing-Konzept. Die Vorspeisen, empfohlen wurden uns zu zweit 2-3 Stück, werden in die Mitte gestellt. Beim Hauptgang wählt dann jeder seinen eigenen, doch auch hier können die Beilagen dazu bestellt und geteilt werden.

Zusätzlich zu den drei Vorspeisen haben wir das Sauerteigbrot gewählt. Die zwei Scheiben waren außen knusprig und innen ungeheuer saftig und aromatisch und werden von einer luftigen Salzbutter begleitet.

Aber nun zu den Vorspeisen, die Bitterballen, die ich gerne gekostet hätte, sind leider gerade ausgegangen, wenngleich mich das auch ein bisschen traurig stimmt, so ist es doch ein gutes Zeichen, dass alles frisch gemacht ist. Und diese erste Vermutung setzt sich auch bei den ersten Speisen fort.

Büffel-Burrata | Wasserkresse | Apfel | Mairübe

Wunderbar cremig kommt der Burrata daher. Im ersten Moment bin ich etwas enttäuscht, dass er weder Salz noch Pfeffer gesehen hat, aber nach dem ersten Bissen, verstehe ich es vollkommen. Noch nie habe ich Burrata in solch einer Qualität gekostet. Der ganz leicht angemachte Salat aus dünn gehobelter Mairübe und Apfel verleiht dem Gericht Frische und eine leichte Säure. Letztere setzt sich auch in der Creme aus Wasserkresse, die fast ein wenig an Sauerampfer erinnert, fort. Alles zusammen auf der Gabel ist unglaublich harmonisch, alle Aromen sind zu schmecken ohne, dass eines überdeckt wird.

burrata

Rindertatar | Miso | Tomate | Lauch | Ramenöl

Weiter geht es mit dem Rindertatar. Bereits der Anblick lässt die hohe Produktqualität des Rindfleisch vermuten, was sich auf der Zunge bestätigt. Ein Fleisch voller Aroma und unglaublich zart. Während Miso und Lauch eine angenehme Umami-Note schaffen, bringt die Tomate Frische und leichte Säure ins Spiel. Das Ramenöl, ist zwar sichtbar, aber nicht unbedingt zu schmecken. Was bei dem stimmigen Gang, der von etwas knackigem Senfkaviar abgerundet wird, jedoch vollkommen in Ordnung ist.

Thunfisch Crudo | Bacalhau | Zitrusfrüchte | Haselnuss

Die hohe Qualität setzt sich auch beim Thunfisch weiter durch. Er zergeht fast auf der Zunge und ist voller Geschmack ohne fischig zu sein. Wo genau sich Bacalhau versteckt ist mir nicht klar, aber das angenehm zitronige Öl, das genau das richtige Maß von Intensität und Zurückhaltung trifft und der Crunch der Haselnüsse komplettieren das Gericht ohne, dass es an etwas fehlt.

Rintertatar
Thunfisch Crudo

Es kommt die Diskussion darüber auf, welche Vorspeise die beste war, doch eine Einigung kann nicht erzielt werden. Durchgängig zu gut ist der kulinarische Einklang geraten um eine Entscheidung zu treffen. Das einzige, worin wir überein kommen, das Tatar ist der Gang von allen, der noch am normalsten ist. Auf Grund der Qualität sorgt dies jedoch nicht zu Abzügen in unserer Rangliste.

Voller Erwartung schauen wir den Hauptgerichten entgegen. Nicht selten hinken diese nach einem so guten Start leider hinterher.

Ausgewählt haben wir:

Maishähnchen-Schnitzel | Ponzu | Räucherforelle | Meerrettich

Super saftig und somit ganz klar aus der Keule kommt das Schnitzel an den Tisch. Es wird auf einem hellen Sud und überzogen mit zwei Cremes serviert und die Panierung ist dennoch knusprig und hat die passende Dicke um das Fleisch nicht zu übertrumpfen. Meerrettich und Räucherforelle sind klar zu erschmecken und verleihen dem Gericht, das auf den ersten Blick ein wenig nach Imbiss klingt, Tiefe.

Dazu wurde das Kartoffel & Nussbutterpüree bestellt. Die Nussbutter ist deutlich zu sehen und weckt zunächst ein bisschen Angst vor zuviel Fett, doch der erste Löffel macht klar, dass diese Sorge unbegründet ist. Die seidige Konsistenz und der buttrig-nussige Geschmack, der dennoch die Kartoffel nicht aussticht runden den Hauptgang endgültig zu Komfort-Food ab.

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Hausgemachte Gnocchi | Misobutter | glasierte Aubergine | Parmesan

Die kleinen fluffigen Gnocchi werden in Misobutter, bedeckt von Parmesan, serviert. Was das ganze bereits zu einer Umamibombe macht. Auch die Aubergine setzt dieses Geschmacksbild fort. Beim Lesen denkt man jetzt vielleicht, das Gericht könnte eintönig sein, doch davon ist es weit entfernt. Auch hier bleibt mir nichts anderes übrige als es mit absolutes Komfort-Food zusammenzufassen.

Wenngleich eigentlich schon satt, darf zum Abschluss eines so wunderbaren Essens eins nicht fehlen, das Dessert. Allerdings ist mehr als teilen wirklich nicht mehr möglich. Also  fällt die Wahl auf:

Karamellisiertes Brioche | Mascarpone | Schokoladen-Ganache | Hon Mirin | Haselnuss

Serviert wird uns eine dicke Scheibe Brioche getränkt in einem Sud von Mirin und getoppt von einer Schokoladen-Ganache und einem Mascarponeschaum. Die Ganache ist aus hochwertiger dunkler Schokolade gemacht, hat für meinen Geschmack aber etwas  zu starke Noten von Kakao und Kaffee, als Nicht-Kaffeetrinker sei mir meine leichte Kritik verziehen. Dafür überzeugt mich der Mascarponeschaum um so mehr. Ungeheuer luftig und leicht ohne die Schwere, die Mascarpone sonst häufig mit sich bringt passt sie perfekt zu dem saftigen Brioche und dem Crunch von Haselnüssen, der darüber gestreut wurde. Ingesamt also ein gelungener Abschluss des kulinarischen Teils.

Brioche

Als übergeordnetes Fazit des Abends kann ich direkt sagen, dass es nicht mein letzter Besuch dort war.

Das Essen ist insbesondere durch die Produktqualität, aber auch durch Kombinationen und Umami-Noten herausragend. Die Vorspeisen waren wirklich ein Highlight. Jede so gut, dass es fast schon schwer fällt, sie zu teilen. Aber immerhin kann man so noch mehr probieren.

Die Weinkarte hält für jeden etwas bereit. Der Service könnte an der ein oder anderen Stelle ein wenig aufmerksamer sein, war aber sehr freundlich und hat unterstützt, dass man sich wohl fühlt.

Insgesamt also ein sehr schöner Abend und ich kann einen Besuch nur jedem empfehlen.