Von den Erfahrungen meiner kulinarischen Abenteuer zu berichten, habe ich hauptsächlich deshalb gestartet um die Gastronomen in ihr verdientes Licht zu rücken. Bei der Vielzahl an Restaurants, insbesondere, wenn wir von einer Stadt wie Berlin sprechen, kann man sich häufig nicht entscheiden, wohin es beim nächsten Besuch gehen soll. Liest man einen positiven Erfahrungsbericht, kann dies die gewünschte Entscheidungshilfe sein.
Natürlich ist ein weiterer Grund meine Liebe für gutes Essen zu teilen und mehr Menschen davon zu überzeugen, wie wundervoll ein gelungener Restaurantbesuch sein kann.
Daher habe ich mir auch von Anfang an geschworen nur von positiven Erfahrungen zu berichten und über die Negativen, die leider ab und an auch vorkommen, zu schweigen. Zu gut weiß ich, wieviel Zeit, Liebe und Herzblut Menschen in ihre Betriebe stecken. Und schmeckt es auch einmal nicht ganz so gut, dann ist Geschmack eben auch noch immer etwas sehr Subjektives.
Doch vergangenen Monat hatte ich ein Erlebnis der anderen Art, die mich in diesem Falle doch bewogen hat, eine Ausnahme zu machen. Denn wenn ich das Gefühl habe, dass Betriebe ihre Gäste schlichtweg verarschen wollen – sorry, aber freundlicher und eleganter lässt sich die Tatsache leider nicht umschreiben – dann meldet sich mein Gerechtigkeitssinn und meine Berufsehre. Denn diese Betriebe sind es, die den Gastronomen, die ihre ganze Leidenschaft geben um ihren Gästen einen tollen Abend zu ermöglichen, die Gäste wegnehmen und die oft schlechte Stimmung gegenüber der Gastronomie fördern.
Um einmal genauer zu werden, die Rede ist vom Restaurant „Chateau Royal“ im gleichnamigen Hotel in Mitte in einer Parallelstraße zu Unter den Linden. Beides ist dem Besitzer des berühmten „Grill Royal“ zuzuordnen. Also eigentlich kein ganz schlechtes Zeichen.
Die Eingangssituation ist etwas unübersichtlich, so führt der Haupteingang in das Hotel und der Nebeneingang zur Bar ohne das direkt ersichtlich wird, wo sich der Restauranteingang befindet. Doch das ist etwas, worüber ich ohne Probleme hinwegsehen kann, insbesondere, da das freundliche Personal uns direkt den Weg gewiesen hat.
Das Restaurant selbst, ist wie das gesamte Hotel, mit Anlehnung die 1920er Jahre eingerichtet. Schlicht, viel Holz und Vintage-Möbel, die durch Kunst den Spagat in die heutige Zeit schaffen. Ein spezieller Stil, der sicher nicht jedermanns Geschmack ist, aber hochwertig wirkt.
Auch der erste Blick in die Speisekarte klang vielversprechend. Eine kleine Karte mit modernen Gerichten und mediterranen Einflüssen, aber auch Bezug zur Region. So kam das bestellte Sauerteigbrot von der Berliner Bäckerei Keit und war zusammen mit der aufgeschlagenen Nussbutter ein wunderbarer Start in den Abend.
Bei der Vorspeise habe ich mich für „Kartoffel & Eigelb“ entschieden. Es kamen conferierte Kartoffelstreifen, gebettet auf einer Eigelbsauce und verfeinert mit Kapernblättern. Um mich zu begeistern, fehlte für die Stimmigkeit Crunch und Würze, doch das könnte man noch unter persönlicher Geschmack abhaken.

Das gelang beim Hauptgang jedoch nicht mehr. Bestellt hatte ich „Atlantik Wolfsbarsch & Sellerie – Gegrillt, Bisque und Mousseline von geröstetem Wurzelsellerie und piemonteser Haselnüssen“. Bekommen habe ich zwei Stücke vom Wolfsbarsch, der leider im Kern noch roh, wenig gewürzt und ohne knusprige Haut war. Zum Glück liebe ich ja Sushi und habe kein Problem mit rohem Fisch, dennoch sollte so etwas nicht passieren.
Die wirkliche Frechheit waren jedoch die Beilagen. Es gab je einen Esslöffel Sauce und Püree und die Haselnuss präsentierte sich als eine halbe (!) aufgeschnittene Nuss im Mousseline. Natürlich ist ein Wolfsbarsch in der Dicke, wie ich sie auf dem Teller hatte, ein teures Produkt, doch für 48€ kann man definitiv mehr auf seinem Teller erwarten und vor allem beste Qualität und Handwerk. Und diese halbe Haselnuss hat mich ganz ehrlich sprachlos gemacht.

Um es nicht unerwähnt zu lassen, meine Begleitung hatte das Stubenküken gewählt, das von Geschmack und Portionsgröße die deutlich bessere Wahl gewesen wäre, aber auch hier waren einige Stücke leider noch roh.
Enttäuscht von den bisherigen Speisen habe ich wirklich mit mir gerungen überhaupt noch ein Dessert zu bestellen, doch wenn etwas „Vanille & Vanille“ heißt, dann kann ich einfach nicht nein sagen. Bekommen habe ich eine kleine Kugel Vanilleeis, die ganz klar selbstgemacht und geschmacklich in Ordnung war. Von der dazugehörigen Karamellsauce hat der Service bereits nur einen kleinen Klecks angegossen mit den Worten „ich bin mal vorsichtig, das mag ja nicht jeder“. Und nach dem Probieren wusste ich auch, was er meinte. Mit einer klassischen Karamellsauce hatte diese nur wenig zu tun. Ich vermute, dass ein großer Anteil Ahornsirup darin enthalten war, bin mir jedoch nicht sicher. Allerdings war sie sehr kräftig mit Bitternoten und die Worte vom Service lassen vermuten, dass ich nicht die Erste war, die sie geschmacklich nicht begeistern konnte, um es einmal freundlich auszudrücken.
Die veranschlagten 12€ sind vom Gastgeber schon großzügig kalkuliert, zu seinen Gunsten natürlich, würden Qualität und Geschmack stimmen, wäre dies dennoch vollkommen in Ordnung für mich. So habe ich mir jedoch gewünscht, auf meinen ersten Impuls gehört zu haben und den Abend mit dem letzten Schluck Wein ausklingen zu lassen.
Was mich zu einem weiteren enttäuschenden Thema führt. Es wurde eine umfangreiche Weinkarte angepriesen. Trinkt man gerne französische Weine, mag dies auch passen. Das umfassende Angebot deutscher Weine entpuppte sich jedoch als zwei Weine von denen einer bei 190€ die Flasche lag. Also nicht einmal durch Weingenuss konnte ich an diesem Abend versöhnt werden.
Zusammenfassend kann man sagen, dass ich im ersten Augenblick an diesem Abend einfach enttäuscht war. Aber mit etwas Abstand hat er mich auch wütend gemacht, denn wenn schlechtes Handwerk und falsche Versprechungen zu solch hohem Preis angeboten werden, ist dies einfach ungerecht all den Gastronomen gegenüber, die ihr Handwerk verstehen, fair kalkulieren, hart arbeiten und ihren Beruf mit Leidenschaft ausführen.
Wenn ihr gerade überlegt, wo euer nächster Restaurantbesuch hingehen soll, versucht also bitte, genau diese Gastronomen herauszupicken und spart euch den Besuch im „Chateau Royal“.
